Gleich um die Ecke geht’s auch anders

Blitz am Sonntag/12. Februar 2017

Es fuchst sie, dass es immer nur die prügelnden Flüchtlinge auf dem Marienplatz in die Schlagzeilen schaffen. Denn, ohne Probleme vom Tisch zu wischen, die Erfahrungen im AWO-Migrationsbüro, gleich um die Ecke in der Mecklenburg-Straße sind ganz anders. »Wir betreuen und beraten Flüchtlinge, deren Asylverfahren abgeschlossen ist, unterstützen sie, sich in ihrer neuen Heimat zurechtzufinden«, erklärt Teamleiterin Anett Kropp. Wenn Anett Kropp »Wir« sagt, dann meint sie die zwei Berater Norbert Schmid , Tino Schwarzrock und Beraterin Delras Permous, die perfekt Kurdisch spricht, beide sind seit Januar dabei sowie die drei Sprachmittlerinnen Ouahiba Groß, Samira Altinawe und Nardjes Debili. »Dank Fernsehlotterie sind wir in der glücklichen Lage Sprachmittler für Arabisch, Französisch, natürlich Englisch und Kurdisch in unseren Beratungen mit einsetzen zu können. «Das sei schon etwas Besonderes und gebe sowohl den Kunden, wie es heute heißt, als auch den Beratern im Gespräch Sicherheit, so die Büroleiterin. »Die Beratungsthemen reichen, wenn man so will, von Geburt bis Tod«, erklärt Norbert Schmid. »Wir vermitteln aber auch an andere Fachberatungsstellen, arbeiten eng mit Partnern, wie dem Jobcenter, der Ausländerbehörde, Krankenkassen usw. zusammen. «Die Kunden kommen u.a. aus Syrien, Afghanistan, Eritrea, Somalia, dem Irak. »Viele kommen hierher mit den schlimmsten Erlebnissen, sind hier völlig überfordert, alles stürzt auf sie ein. Da braucht es Unterstützung, um sich in dieser fremden, ungewohnten Welt zurechtzufinden,« so Schmid. »Integration braucht Zeit, nicht nur, um die Sprache zu lernen, sondern auch z.B. das Bildungs- und das Gesundheitssystem zu verstehen, sich im Bürokratiedschungel zurechtzufinden.« Tino Schwarzrock erzählt von der jungen Syrerin, die seit knapp zwei Jahren in Deutschland lebt und jetzt ein Studium der Medizintechnik beginnen wird. Dann ist da ein Mann aus dem Irak, der über zehn Jahre in Deutschland lebt und der sich von Job zu Job hangelt, sich auch von Kündigungstiefschlägen nicht entmutigen lässt und unabhängig von den sozialen Transferleistungen sein möchte, um endlich seine Familie nachholen zu können. Nicht zuletzt sind da auch die drei Sprachmittlerinnen, die aus Syrien und Algerien stammen und jetzt im Migrationsbüro, anderen helfen sich zurechtzufinden. »Wir merken in den Beratungen, dass sich unsere Kunden nicht nur helfen lassen wollen, sondern dann auch ihre Angelegenheiten selbst in die Hand nehmen und sogar Routine im Umgang mit der Bürokratie entwickeln. Das ist genau das, was wir wollen: Hilfe zur Selbsthilfe«, erklärt Berater Norbert Schmid. »Wir haben es hier mit Neuschwerinern zu tun, die sich einbringen und ihren Lebensunterhalt selbst verdienen wollen und auf den Weg dahin brauchen sie Unterstützung!“

rita Brückner

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